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Ein Sicherheitsmärchen: Vom Igel Bull, der seine Sicherheit verlor und sie dann wiederfand

Für den Igel Bull glich ein jeder Tag dem anderen, und das gefiel ihm sehr. Er stand gegen sieben auf, seine Mama machte ihm ein Frühstück und gab ihm einen Kuss auf die Stirn, dann nahm er den immergleichen Schulweg. Unterwegs traf Bull seine Freunde, sie gingen gemeinsam zum Unterricht, lauschten dem Lehrer und spielten nach der Schule mit Vorliebe zusammen Fußball.
Der Igel wusste, dass er die Grenze zwischen seinem heimatlichen Zauberwald und dem benachbarten Düsterdickicht nicht überschreiten durfte, während er zu anderen Wäldern und Feldern durchaus reisen durfte – mit Erlaubnis seiner Eltern. So ging er also nie zum Düsterdickicht, lebte fernab davon, und dementsprechend fühlte er sich meistens in Sicherheit. Vielleicht konnte mal die ein oder andere Angst in seinem Kopf auftauchen und ihn mit einem Schatten an der Küchenwand oder dem Geraschel von Ästen erschrecken. Aber Mama und Papa konnten Bull immer beruhigen und ihm erklären, dass ihm da bloß seine Einbildungskraft einen Streich gespielt hatte. Aber eines Tages begannen sogar die Igeleltern sich zu fürchten, und ebenso alle Klassenkameraden und Nachbarn. Das war, als die Reißzähne aus dem Düsterdickicht unerwartet den Zauberwald angriffen, böse und vollkommen verbiesterte Drachen. Sie jagten allen eine solche Angst ein, dass ihr Märchen von der eigenen Sicherheit bis auf die Grundmauern erschüttert wurde und alle glaubten, dass es bereits keine Rückkehr zum gewohnten Leben mehr geben würde.

Unter der Woche wachte Bull immer um sieben auf, um zur Schule zu gehen. Am Wochenende stand er dann später auf, manchmal aber auch früher. Warum auch immer gingen seine Augen gerne schon um sechs auf, dann fing er an, durch das Haus zu streifen, und seine Eltern baten ihn, wieder ins Bett zu gehen und sie nicht aufzuwecken. Manchmal machte er sogar Frühstück für die ganze Familie, wenn er früh aufgewacht war. Manche seiner Freunde waren schon einmal um vier aufgewacht, wenn sie mit dem Flugzeug in andere Wälder reisten und sich deswegen schon früh auf den Weg machen mussten. Aber selbst wenn unser Igel einmal mit seinen Eltern eine Flugreise machte, so musste er trotzdem nicht mitten in der Nacht das Bett verlassen.

In jener Nacht also wachte der Igel zum ersten Mal schon gegen fünf Uhr morgens auf. Zunächst hörte er nur seine aufgeregten Eltern im Nachbarzimmer, dann aber die Explosionen vor dem Fenster. Bull wusste selbst nicht, was ihm mehr Angst einjagte – diese Geräusche oder die Angst auf den Gesichtern seiner Eltern.
„Es ist Krieg“, brachte Papa hervor.
Bull wusste, der Krieg – das war etwas von vor sehr langer Zeit, das Leben wegnahm, aber er hatte nicht gewusst, dass es den Krieg immer noch gab und dass er auch zu ihnen kommen könnte. Aber beim Anblick des Gesichts seines Vaters verstand Bull, dass der Krieg etwas sehr Furchtbares war. In diesem Moment wurde in ihm etwas erschüttert und zerbrach dann. Und das war seine Sicherheit. Bull hatte selbst nicht gewusst, dass sie ihn sein ganzes Leben lang begleitet hatte und immer in ihm drin gewesen war. In ihm gab es verschiedene Organe – das Herz, die Leber, den Magen – und die halfen ihm in dieser Welt zu existieren, zu atmen, zu essen und in die Welt zu schauen. Aber außerdem gab es da noch die Sicherheit, die ihm erlaubte, sich gut zu fühlen und zuversichtlich zu sein, seinen alltäglichen Aufgaben in Ruhe nachzugehen. Aber Papas Worte erschütterten diese Sicherheit und Bull fand sich ohne sie wieder. An ihrer Stelle machten sich sofort Ängste breit. Bulls Stacheln richteten sich mit einem Mal auf, in Erwartung einer Gefahr. Die seiner Eltern genauso. Sie waren angespannt, und ihre normalerweise angelegten Stacheln stellten sich spitz auf, um sich zu verteidigen.
„Wir müssen schnell von hier verschwinden“, sagte Papa.
„Aber das ist doch unser Haus und unser Heimatwald“, antwortete Mama.
Bull sah, dass auch ihre innere Sicherheit erschüttert war. Genau wie die Papas.
„Hier ist es jetzt nicht mehr sicher“, sagte Papa, der auch bemerkte, dass in Bull drin jetzt nur noch ein Haufen Ängste war und keine Sicherheit mehr.
Also packte die Familie geschwind ihre Sachen und machte sich in Richtung eines anderen Waldes auf. Unterwegs erblickte der Igel ebenjene bösen Drachen, die zu ihnen in den Wald gekommen waren, um hier die Bäume abzubrennen und die Häuser seiner Freunde und Nachbarn niederzureißen. Zum Glück sah Bull das alles aus großer Ferne, aber trotzdem fürchtete er sich sehr.

Er versteckte sich tief in seinem Panzer und streckte seine Stacheln noch mehr heraus. Begutachtete noch einmal die Scherben seiner Sicherheit. Wie sehr er sie vermisste. Sie war immer in ihm gewesen, und jetzt waren bloß noch Scherben von ihr übrig, an denen man sich sogar schneiden konnte. Noch trauriger war, dass er aus diesen Scherben nun niemals mehr eine neue Sicherheit würde zusammensetzen können, sie war für immer zerstört, das Märchen von der Sicherheit gab es nicht mehr. Ihr Auto fuhr schnell die Straße hinab und wiegte Bull dabei in den Schlaf. Er bemerkte gar nicht, wie er langsam aus der Realität ins Traumland überging.

Als der Igel Bull erwachte, sah er das Meer. Er traute seinen eigenen Augen nicht. Ihr Wald war doch so weit weg vom Meer, so weit waren sie doch wohl kaum gefahren.
„Wo sind wir?“, fragte der Igel Mama, als er sie auf der Terrasse erblickte.
„Wie sind weit weg! In der Stadt der Palmen am Blauen Meer. Hier werden wir jetzt leben!“, lachte Mama. „Wir haben großes Glück gehabt!“
Aber der Igel verstand nicht, warum Mama lachte. Er machte sich auf die Suche nach Papa und fand ihn am Auto. Papa reparierte da irgendetwas.
„Du hast aber lange geschlafen! Fast die ganze Fahrt!“
„Warum lachen Mama und du? Um uns herum sind doch überall die Drachen!“
„Nein, hier gibt es keine Drachen. Die sind zu schwach für den Weg hierher und ihr Feuer reicht auch nicht so weit. Außerdem wird die Stadt der Palmen am Blauen Meer von Tigern und Falken bewacht. Deshalb sind wir hier in Sicherheit.“

Als er das gesagt hatte, lachte Papa noch einmal. Bull begutachtete die Sicherheit seines Papas und schloss, dass sie zwar gestern zersplittert war, heute aber deutlich besser aussah. Sie war immer noch löchrig, aber er hatte den Eindruck, dass ihre Wunden heilten und die Löcher in ihr kleiner wurden. Leider konnte man über die Sicherheit in Bull drin nicht das gleiche sagen. Da war immer noch nichts außer Scherben und es sah nicht so aus, als würde seine Sicherheit jemals wiederauferstehen, wie laut seiner Oma irgendwann einmal Christus auferstanden war. Als er diesen Gedanken hatte, erinnerte sich der Igel mit einem Mal an seine Oma, und da schienen die Scherben seiner Sicherheit zu einer noch größeren Zahl an Scherben zu zersplittern.
„Was ist denn mit unserer Oma?“
„Mach dir keine Sorgen! Sie hat sich in einen Zug gesetzt und ist schon weit weg von den Drachen und deren Freunden.“
„Und was ist mit unserem Haus? Und mit meiner Schule? Und unserer Stadt?“
„Bald kommen Tiere, die wissen, wie man Drachen besiegt, und befreien all das. Doch so ein Drache ist zwar ziemlich dumm und ungestüm, aber auch stark. Deswegen braucht es Zeit, um sein Böses niederzuringen. Und so lange bleiben wir hier, denn hier sind wir in Sicherheit.“
In diesem Moment bemerkte Bulls Papa, dass in seinem Sohn nur noch die Scherben von dessen Sicherheit übrig waren, an denen der sich immer wieder schnitt. Auch Mama, die gerade ins Zimmer kam, bemerkte die Scherben von Bulls Sicherheit. Sie schämte sich sehr, weil sie erst jetzt verstand, wie verletzlich ihr Sohn war und wie sehr er unter den Drachen litt, obwohl die doch so weit weg waren. Mama ging schnell zu Bull und umarmte ihn fest. Papa tat es ihr nach. Bull konnte es kaum glauben, aber von den warmen Umarmungen fügten sich einige der Sicherheitsscherben wieder zusammen und begannen, ein Ganzes zu bilden.

Seine Eltern verbrachten den ganzen Tag mit Bull. Sie spazierten durch die Stadt der Palmen am Blauen Meer, aßen Eis und gewöhnten sich an die neue Atmosphäre. Manchmal hatte Bull große Angst, schließlich gab es hier ungewohntes Essen, eine ungewohnte Sprache, alles war ungewohnt. Aber manchmal war das auch sehr interessant, schließlich gab es hier schöne Bäume und das Meer, die Tiere lachten und die Sonne schien, das Leben ging weiter. Seine Eltern umarmten ihn ganz oft, schaukelten mit ihm auf dem Spielplatz und schauten sich sogar die Fahrräder in einem Laden mit ihm an. Der Gedanke, dass er bald ein neues Fahrrad bekommen würde, bereitete ihm große Freude. Am Abend ging die Familie zurück nach Hause und Bull schaute in den Spiegel.
„Das kann doch nicht sein!“, meinte Bull.
Seine Sicherheit war fast wieder ganz und nahm wieder eine feste Form an, die ihn sogar besser verteidigen konnte als seine Stacheln. Und obwohl sie ziemlich verkratzt und zerbeult war, sehr unter den Drachen gelitten hatte, so kehrte sie doch zu Bull zurück. Er verstand, dass es noch einige Zeit brauchen würde, bis sie wieder so sein würde wie vor den Drachen. Vielleicht würde sie auch nie mehr ganz so werden. Aber nichtsdestotrotz war sie noch immer in ihm drin und machte sein Leben so viel unbesorgter. Deswegen konnte Bull jetzt gelassen mit seinen Eltern nach draußen gehen und musste dabei keine Angst mehr vor den wilden Drachen haben.

von Margaryta Surzhenko

Übersetzung: Jakob Wunderwald

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Über den Autor

Маргарита Сурженко

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